Teltower Rübchen sind eine besondere Form der Speiserübe und sind eng verwandt mit Mairüben oder Speiserüben. Vom Aussehen her ähneln die kleinen, weißen Rüben mit den erhabenen Querrillen Pastinaken oder Petersilienwurzeln, unterscheiden sich jedoch deutlich im Geschmack. Dieser zeichnet sich aus durch eine einzigartige Mischung aus Süße und Schärfe, ein Kombination aus Kohlrüben- und Rettichnote. Auf den kargen Böden des Teltow wird die Rübe seit dem 17. Jahrhundert angebaut und war zunächst ein Essen armer Leute, denn die Rüben konnten noch nach der Getreideernte ausgesäht werden und vor dem Einbruch des Winters geerntet werden. Eingelagert in Sand halten die Rübchen sich bis weit ins nächste Jahr hinein.
Kleine Knollen, die es in sich haben
Das Traditionsgemüse aus dem Fläming
Frische Teltower Rübchen,
Foto: Tourismusverband Fläming e.V./Susan Gutperl
Wie kam das Rübchen an die Fürstenhöfe?
Mit dem Sieg der napoleonischen Truppen über Preußen zu Beginn des 19. Jahrhunderts lernten diese die regionale Spezialität kennen und brachten sie als "Navets de Teltow" an den französischen Hof. Auch Goethe und Kant wussten die Rübchen zu schätzen. Goethe ließ sich das Knollengemüse regelmäßig von einem Berliner Freund nach Weimar schicken und schrieb Briefe der Begeisterung über die Rübe. Mit Einsetzen der Industrialisierung der Landwirtschaft gingen die Anbauflächen jedoch stetig zurück. Sie konnte mit den ertragreicheren "großen" Rüben nicht mithalten. Und auch in der DDR lohnte sich der Anbau kleiner Mengen eines derartigen Nischenprodukts für die großflächigen LPGs nicht. Das Überleben des Teltower Rübchens sicherten jahrzehntelang Hobbygärtner und Landwirte im nebenerwerblichen Anbau.
Seit Beginn der 1990er Jahre hat die weiße Feldfrucht ein kleines Revival erlebt und wurde 1999 erstmals wieder auf der Grünen Woche ausgestellt. Es ist und bleibt jedoch eine Spezialiät, die im Teltower Raum immerhin wieder regelmäßig angebaut wird. Sie kann vor Ort und auf Märkten erstanden werden und kommt in kleineren Mengen auch in den lokalen Lebensmitteleinzelhandel. Der Förderverein für das Teltower Rübchen e.V. setzt sich für die Erhaltung der Sorte und die Fortführung der über 300-jährigen Anbautradition ein.
Wer sich einmal selbst an der Zubereitung von Teltower Rübchen wagen möchte, dem sei die Teltower Touristinformation empfohlen. Hier gibt es immer im Herbst die berühmte Rübe zu kaufen. Aber Achtung: das Angebot ist begrenzt und eine Vorbestellung empfohlen.
Teltower Rübchen zubereiten
Eine ganz klassische Variante der Zubereitung sind karamellisierte Rübchen. Hierbei werden die Hälften mit karamellisiertem Zucker in Butter gedünstet. Hoch im Kurs als traditionelles Gericht steht auch Suppe aus Teltower Rübchen. Wir haben hier das Rübchen in zwei Rezeptvorschlägen jedoch überraschend modern interpretiert und einmal als Salat und einmal als Zutat in einer Blätterteig-Quiche verarbeitet. Im Salat kommt die feine Rettichnote wunderbar zur Geltung. In der Quiche verstärkt die Süße aus Feigen und Honig den besonderen Geschmack der kleinen Rüben. Guten Appetit!