• Skates, Schafe und Streuobst – angekommen im Familienglück

Skates, Schafe und Streuobst – angekommen im Familienglück

Unser Fläming: Skates, Schafe und Streuobst am Rundkurs 6

Für Luisa und Lee-Roy ist die Flaeming-Skate weitaus mehr als eine perfekt asphaltierte Skate- und Radstrecke. Sie ist ihr Tor zu kleinen Auszeiten, ihre Brücke zu Kultur und kreativem Austausch, ihre Direktverbindung zu Familie und Freunden. Seit vier Jahren sind sie, so sagen sie selbst „gestrandet in Reinsdorf“ und haben am Rundkurs 6 ihren zukünftigen Lebensmittelpunkt gefunden. In diesem Sommer erwartete sie eine Premiere: die erste gemeinsame Tour mit Baby Lucy im Kinderwagen auf der Strecke.

Die Spätsommer-Morgensonne erwärmt langsam den nachtkalten Asphalt der Flaeming-Skate im Landkreis Teltow-Fläming und wenige Meter weiter auch das Weidegras in Reinsdorf. Drei langbeinige Schatten fallen wolkenähnlich auf den Boden. „Määäh“, ruft Schwarznasenschaf Wanda und holt sich die erste Streicheleinheit des Tages von Luisa und Lee-Roy Lutter, während Baby Lucy friedlich in der Trage schläft. Noch vor vier Jahren hätte niemand gedacht, dass ein Wochenende für die Berliner Familie einmal so beginnen würde.

Damals lebte hier noch Lee-Roys Oma. Bei ihrem ersten Besuch wunderte sich Luisa über die spiegelglatte Bahn, die schnurgerade durch den Wald hinterm Haus verlief. „Ich hab mich gefragt, was das ist und so erfuhr ich von der Flaeming-Skate. Zwei Wochen später hatten wir Skates gekauft und sind einfach losgefahren.“ Schon bald wurden die Besuche der Berliner in Reinsdorf zur Regelmäßigkeit. Mit jeder Runde entdeckten die Marketing Managerin und der Tischler neue Ecken der Region und fanden schnell einen Lieblingsplatz im Nachbarort: den Park der Künstlerresidenz Schloss Wiepersdorf. „Wir haben die Skates angeschnallt, sind rübergefahren und waren überrascht. Das erwartet man dort einfach nicht“, erzählt Luisa, die lange in Wien für Kunst und Kultur gearbeitet hat. Was sie vorfanden: Das Orangeriecafé, davor Metallgarnituren mit gelben Sitzkissen, gestreifte Sonnenschirme inmitten grüner Palmenwedel – ein filmreifer Wes Anderson-Moment im Süden Brandenburgs.

„Wir haben die Skates angeschnallt, sind rübergefahren und waren überrascht."

Damals ahnte noch niemand, dass aus den kurzen Pausen vom Stadtleben ein Zuhause werden würde. Doch mit jeder Runde auf der Flaeming-Skate wuchs die Liebe zur Region. Bis die beiden 2024 das Haus der verstorbenen Großmutter übernahmen. Heute ist es ihr Wochenendrefugium, während sie unter der Woche in Köpenick leben. Der heutige Samstag ist besonders: Zum ersten Mal rollen sie gemeinsam mit Baby Lucy, über die Rundkurse 6 und 4 bis nach Jüterbog. Ihr Ziel: das Eiscafé Elissa.

Der goldene Helm schimmert in der Sonne, das Wasser mit Gurken aus dem Garten und ein paar Müsliriegel verschwinden im Rucksack. Dann das vertraute Geräusch: klick, klack. Die Schnallen der Skates rasten ein. Zuerst fahren sie vorsichtig an, schon wenige hundert Meter später wird das Surren der Rollen gleichmäßiger und schneller. „Es ist irre. Ich starte vor unserer Hoftür und merke, wie der Kopf frei wird und der Fahrtwind mich mitnimmt“, sagt Luisa. Lee-Roy schiebt die kleine Lucy im Kinderwagen vor sich her, genießt die Stille, die Muskelkraft, den Rhythmus, die glatte Bahn unter den Füßen. Die Landschaft wechselt zwischen weiter Flur mit goldenen Teppichen aus gemähtem Stroh und Wald. Mal riecht die Luft trocken-sommerlich, mal nach feuchtem Moos und Erde.

"Die Büffel stehen hier auf den Feldern vor Jüterbog, das ist herrlich.“

Der Vormittag bringt Wärme in den Fahrtwind. Die drei fahren in ihrem Tempo auf der autofreien Flaeming-Skate-Bahn. „Wir sind mitten in der Natur, nicht an den großen Straßen und fühlen uns hier einfach sicher. Das ist das Schöne“, sagt Luisa und schaut zu Lee-Roy, der ergänzt: „Und, dass wir hier von Freunden und Familie ganz herzlich aufgenommen wurden.“ Hinter Oehna – wo sie häufig Lee-Roys Tante besuchen – legen sie einen kurzen Halt ein: Lee-Roy zieht das Gurkenwasser aus dem Rucksack, während Luisa eine kleine Stillpause am bunt gestalteten, schattigen Pausenplatz einlegt.

Je näher sie Jüterbog kommen, desto mehr Menschen begegnen ihnen auf der Strecke. Nach gut zwei Stunden auf den Rollen erreichen sie die historische Altstadt. Backsteingotik, Stadtmauern und Fachwerkhäuser geleiten die drei zu ihrem wohlverdienten Stopp. „Heute hatten wir Lust auf ein Eis, deswegen sind wir hergefahren“, sagt Lee-Roy mit glänzenden Augen beim Blick auf die Auslage. Luisa ergänzt: „Und weil ich den frischen Büffelmozzarella von Bobalis bei der Neumarkt Fleischerei kaufen möchte. Die Büffel stehen hier auf den Feldern vor Jüterbog, das ist herrlich.“ Außerdem packt sie noch Steaks und Würstchen ein, denn später kommen noch Freunde vorbei und es wird gemeinsam gegrillt.

Nach einer kleinen Runde über den Marktplatz treten sie den Rückweg an. Sie fahren dieselbe Route zurück, legen nur ein paar zusätzliche Pausen ein. Am Nachmittag erreichen sie ihr Hoftor – geschafft, aber glücklich. „An diesen ersten Ausflug zu dritt werde ich mich noch lange erinnern“, sagt Luisa stolz.

Später am Abend sitzen die drei mit Freunden im Garten. Sie ernten die letzten Früchte des Sommers in ihrer Naschhecke, während auf der Weide die Schafherde zufrieden blökt. Die Kohlen glühen, Lee-Roy legt Gemüse auf den Grill, Luisa schneidet den Büffelmozzarella. Baby Lucy träumt schon vom nächsten Ausflug auf Rollen. Und während die Sonne langsam hinter den Feldern versinkt, verrät Lee-Roy: „Wir wollen irgendwann Gästezimmer anbieten. Unseren Fläming für andere erlebbar machen.“ Denn hier wächst neben viel Gemüse und besonderen Obstsorten auch ein liebevolles Zuhause, das sie eines Tages mit entspannungssuchenden Gästen teilen wollen.

Luisas ganz persönlicher Tipp: Schloss Wiepersdorf

Ich bin immer auf der Suche nach Orten, an denen man kurz abschalten, durchatmen und gleichzeitig ein bisschen Kultur aufsaugen kann – und genau das habe ich in Schloss Wiepersdorf gefunden. Schon der Schlosspark hat mich sofort begeistert. Er lädt zu einem entspannten Spaziergang ein, bei dem man ganz automatisch auf den Spuren von Achim und Bettina von Arnim wandelt. 

 

Mein persönliches Highlight ist allerdings das Café in der Orangerie. Es ist der ideale Ort, um nach dem Spaziergang durch den Park anzukommen: gemütlich, stilvoll und herrlich entschleunigend. Mit einer Tasse Kaffee oder einem Stück Kuchen sitzt man hier mitten im historischen Ambiente, blickt ins Grüne und vergisst für einen Moment den Alltag. Für mich der perfekte Mix aus Genuss, Atmosphäre und Geschichte.

Touristische Angebote entlang der Strecke - RK 5


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